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Disrupt ecommerce | Wenn Kinder ihre Eltern ablösen…

Trends 2020 – Voice-Commerce

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu und viele Unternehmerinnen & Unternehmer im E-Commerce fragen sich bereits seit Wochen, was 2020 auf sie zukommt. Natürlich können auch wir lediglich einen Blick in die Kristallkugel wagen, da die Komplexität unserer Welt gravierend zugenommen hat und weiter zunimmt, was Vorhersagen mehr und mehr erschwert. Was passiert, wenn Alibaba nach Europa kommt? Wie verläuft der Plattform-Launch der OTTO-Gruppe? Welche neuen Player spielen plötzlich mit, von denen wir bisher noch gar nicht richtig gehört haben? Welche Position wird Amazon zukünftig innehaben? Verändert sich das Verhältnis weiter zwischen Online- und Offline-Vertrieb? Alles gute Fragen. Zunächst möchten wir dir jedoch Trends näherbringen, die wir schon länger beobachten und die in unseren Augen 2020 deutlich mehr an Bedeutung gewinnen werden.

Voice-Commerce

Für viele ein Segen, für andere ein Fluch und oftmals beides zugleich: Smartspeaker und Voice-Recognition-Systeme sind in immer mehr Haushalten zu finden, egal ob von Apple, Amazon oder Google. Und sind wir ehrlich: Wir alle tragen derlei Systeme bereits mit uns herum, auch wenn wir noch nicht alle diese Funktionalität unserer Smartphones nutzen. Die nötige Technik ist also bereits überall zu finden. Dennoch konnten sich Einkäufe via Sprachsteuerung bisher in Deutschland noch kaum durchsetzen. Die großen Player arbeiten jedoch durch massive Weiterentwicklungen daran, dass sich genau dies – vielleicht schon 2020 – ändern wird. Jüngst wurden große Updates der bereits verfügbaren Sprachassistenten angekündigt, die dank deutlich fortgeschrittener KI-Ansätze und hoher „Vermenschlichung“ der sprechenden Endgeräte eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine erheblich verbessern werden. So wächst das Vertrauen in die Technik und mehr Skeptiker werden einen einfachen Kauf per Sprache ausprobieren wollen. Kann der persönliche Assistent in diesem Moment überzeugen, so erfolgt vielleicht der zweite Versuch, dann der Dritte usw.

Ein weiterer Hinweis, der für Voice-Commerce in naher Zukunft spricht, ist die Entwicklung der Endgeräte selbst, die oftmals nicht nur auf Audio, sondern auch auf das Anzeigen von Informationen setzen. Smartspeaker von Amazon zum Beispiel kommen bereits je nach Typ mit Displays in verschiedenen Größen daher. Durch das Visualisieren von Dialogen oder die Anzeige einer Warenkorbzusammenfassung vor dem Kauf entsteht großes Vertrauen zur Technik und erleichtert das Shopping per Sprachbefehl merklich. Und wie bereits erwähnt sind hierzu nicht zwingend die neusten Smartspeaker notwendig, denn jeder von uns trägt ein Smartphone mit Mikro und Display bei sich.

Verstanden. Und nun?

Wie man im Handel nun von dieser Entwicklung profitieren kann, hängt sicherlich von der eigenen Positionierung ab. Die Erwartungshaltung von Verbrauchern wird 2020 nicht sein, dass man in jedem Webshop rein per Sprachbefehl einkaufen gehen kann. Und doch entstehen große Chancen, wenn man hier seinen USP entdeckt. „Darf es noch ein wenig mehr sein?“ hat schon immer an der Fleisch- oder Käsetheke funktioniert, warum also nicht auch an der digitalen Theke? Ein KI-gestützter Assistent kann auf passende Angebote und Aktionen aufmerksam machen oder relevante Empfehlungen anpreisen. Viele versuchen dies durch Texteinblendungen in der Produktbeschreibung oder im Warenkorb, doch die kurze sprachliche Anmerkung wird ganz sicher deutlich effektiver bzw. Conversion-stärker sein.

Hat man nicht selbst die nötigen IT-Ressourcen oder einfach nicht genügend Reichweite, um eine derartige Investition zu rechtfertigen, so muss man nicht direkt aus dem Rennen aussteigen. Stattdessen sollte man sich über „Mitfahrgelegenheiten“ informieren, die große Plattformen wie Amazon bereits heute bieten. Hierzu muss man natürlich auf derlei Plattformen als Händler und/oder Hersteller vertreten sein. Das absolute Minimum der eigenen Bemühung sollte jedoch eine Prüfung und ggf. Aktualisierung des eigenen „Google my business“-Profils sein. Denn wenn ein Interessent per Sprachbefehl den nächsten Händler im Umkreis für Produkt XY sucht und Google weder weiß, was man anbietet, geschweige denn überhaupt existiert, ist man noch vor der Startlinie im digitalen Rennen eingeschlafen.

Moment, da fehlt noch etwas…

Knifflig wird es trotzdem noch! Wenn mehr und mehr Personen im Haushalt anfangen mit einer künstlichen Intelligenz zu sprechen und auch Dinge zu bestellen, dann fallen zwangsläufig in Familien und insbesondere Wohngemeinschaften folgende Fragen: „Wer hat das denn bestellt?“ und „Und von welchem Konto wird die Bestellung jetzt abgezogen?“ Die KI wird sich also auch hier weiterentwickeln müssen, damit Sprechende exakt auseinander gehalten werden. Nur so können sich Kinder im Haushalt zwar die nächste Hörspielfolge bei Spotify per Sprachbefehl wünschen, nicht jedoch ein lebensechtes Stoffpony bei Amazon bestellen. Und nur so kann das richtige Konto belastet werden, wenn in einer 6-Personen-WG alle Parteien am Tag ihre Getränkebestellungen für die nächste Hausparty aufgeben. Die Personalisierung der Spracherkennung hat also einerseits praktische Gründe, um Voice-Commerce zum Erfolg zu verhelfen. Andererseits wird diese Art der Erkennung aber auch dafür sorgen, dass zukünftiges Marketing noch mehr auf uns zugeschnitten wird, da wir noch transparenter werden.

Hoffen wir also das Beste und denken an die Worte von Pippi Langstrumpf bzw. Astrid Lindgren: „Wer stark ist, muss auch gut sein.“



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